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Hackerangriff auf Media Markt und Saturn

Der Hackerangriff auf die Handelsriesen Media Markt und Saturn stellt sicherlich den größten anzunehmenden Unfall dar, den sich ein Händler vorstellen kann.

Nov 2021
Allgemein

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Hackerangriff auf Media Markt und Saturn

Mögliche langfristige Auswirkungen auf das Channel Management

Der Hackerangriff auf die Handelsriesen Media Markt und Saturn stellt sicherlich den größten anzunehmenden Unfall dar, den sich ein Händler vorstellen kann. Durch den ca. eine Woche dauernden weitestgehenden Ausfall des stationären Geschäftes in einer äußerst wichtigen Saisonzeit ist das wichtige Jahresendgeschäft sowohl für Media Markt und Saturn als auch für die Industrie massiv beeinflusst. Obwohl das reine Online Geschäft scheinbar nicht betroffen ist, hat dieser Angriff trotzdem Auswirkungen. Denn der strategische Vorteil der Abholung im Markt gegenüber reinen Online Playern ist auch erst einmal dahin.

Ursachen des Hackerangriffs

Ein Angriff dieses Art wurde mit Sicherheit umfassend geplant und umgesetzt. Sowohl der Zeitpunkt als auch der Umfang sind nicht zufällig. Der Druck auf Media Markt und Saturn wird dadurch maximiert. Die Planung ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere sind anfällige Infrastrukturen ohne ausreichende Sicherheitsnetze bzw. redundante Systeme, welche zumindest einen definierten Notbetrieb in den kritischen Bereichen sicherstellen können. Denn die Verschlüsselung von Servern und die Erpressung von Lösegeld ist ja kein neues Phänomen der digitalen Gangster. Sondern wird seit mehreren Jahren in dieser Form praktiziert.

Möglicherweise hat hier die Sicherheit der IT Infrastruktur in letzter Zeit aufgrund anderer Prioritäten gelitten. Der Lockdown durch Corona, die aktuellen Lieferengpässe, die Verschiebung in Richtung Online Geschäft und umfassende organisatorische Veränderungen haben mit Sicherheit und werden weiterhin sehr viel Ressourcen und Management Fokus benötigt. Und IT Sicherheit bringt leider keinen Umsatz. So nachvollziehbar das ist, so fatal sind leider die Folgen.

Kurzfristige Auswirkungen

Die offensichtlichen kurzfristigen Auswirkungen sind klar: der stationäre Verkauf ist möglicherweise sehr stark eingebrochen. Warenlieferungen werden – soweit Sie nicht mehr vom Lieferanten gestoppt werden konnten – zwar angenommen, aber nicht in den Systemen verbucht. Nachbestellungen wurden nicht durchgeführt. Jeder Beteiligte, egal ob bei Media Markt und Saturn, in der Industrie oder der Distribution versucht, den Schaden zu minimieren. In welchem Umfang dies gelingen wird, ist unklar. Klar ist jedoch, dass die geplanten Umsätze in diesem Kanal in der Weihnachtssaison negativ beeinflusst werden. Der Umfang hängt davon ab, wieviel Umsatz in diesem Zeitraum in Realität verlorengegangen ist, wie schnell die Systeme wieder voll einsatzfähig sind, wie schnell die damit zusammenhängenden Prozessthemen – inklusive Bestell- und Lieferprozesse – wieder im Normalbetrieb sind und wie schnell der Kunde an den POS zurückkommt.

Mittelfristige Reaktionen

Für die Industrie stellt sich zusätzlich für den Rest des Weihnachtsgeschäftes die Frage, wie und wo lässt sich dieser Umsatzverlust auffangen. Wo wird der Endkunde letztendlich einkaufen? Verschiebt sich das Einkaufsvolumen auf die Online Angebote von Media Markt und Saturn, auf andere Online Händler oder profitieren die wenigen verbliebenen sonstigen stationären Händler. Und natürlich stellt sich die Frage, wie Media Markt und Saturn auf potentielle Änderungen von Warenströmen und Channel Marketing Aktivitäten reagiert?

Alles Fragen ohne einfache Antworten. Insbesondere natürlich unter Berücksichtigung dessen, dass die genaue Informationslage insbesondere der realen Auswirkungen auf die Umsätze für die Industrie noch sehr unklar ist. Es gilt also mal wieder, mit unvollständigen Informationen die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. Möglichst das beste aus der schwierigen Situation in Abstimmung mit den Verantwortlichen bei Media Markt und Saturn herausholen oder mehr Fokus auf die Aktivierung anderer Kanäle in Kombination verwenden?

Wichtig hierbei sind natürlich sowohl gute vertriebliche Beziehungen in alle Kanäle als auch die nötige Datenbasis zum intelligenten Management vorhanden sein müssen. Somit kann zumindest ein Teil der Unsicherheit datenbasiert aufgelöst werden.

Langfristige Strategien

Während es kurz- und mittelfristig darum geht, Umsätze aufzufangen und wieder in den „normalen Weihnachtsmodus“ zu kommen, stellen sich strategisch ganz andere Fragen. Einige mögliche könnten sein:

Löst Media Markt und Saturn dieses Sicherheitsproblem so, dass ein solch massiver Ausfall nicht mehr vorkommt? Kann ich vielleicht sogar im Vergleich zu meinen Wettbewerbern durch eine intensivere Zusammenarbeit mit Media Markt und Saturn meine Umsätze positiv beeinflussen? Wieviel Potential bieten Alternativen, die ich im Vergleich zur Konkurrenz noch nicht gehoben haben? Wie verändere ich meine Warenverteilungsstrategie hin zu ausschließlich auf reale Kundennachfrage reagierende Systeme, also Replenishment unter Berücksichtigung von Allokation?

Wie sehen Sie die Situation langfristig? Gerne diskutieren wir mit Ihnen die Situation aus Sicht eines Experten für Daten und effiziente Vertriebsprozesse.

Übrigens: wir hatten vor einigen Jahren das gleiche Problem. Ein email Link verschlüsselte unsere Server. Dank unserer Experten und unserer mehrfach redundanten Systemarchitektur war das Problem aber auf wenige Server beschränkt und innerhalb von wenigen Stunden behoben. Die Auswirkungen auf unsere Kunden waren minimal.

Ihr Ansprechpartner

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Peter Krebs

Director Customer Success